Kobudo (japanisch: 古 武 道; etwa „alte Kriegskunst“; bzw. „kleine Kampfkunst“) entstand im 16. Jahrhundert auf Okinawa.
Zu dieser Zeit wurde dem Volk von den Feudalherren das Tragen von Schwertern und anderen Blankwaffen verboten. Ebenfalls in diese Zeit (1599 bis 1867) fallen aber auch 1240 Bauernaufstände, in denen die Bauern sich gegen die Unterdrückung zur Wehr setzten. Diese lange Zeit der kriegerischen Auseinandersetzung gegen Willkür und Unterdrückung führte zur Entwicklung der sogenannten „Bauernwaffen“.
Häufig wurden diese Bauernwaffen aus Handwerkszeugen oder alltäglichen Gegenständen entwickelt. Man benutzte zum Beispiel den einfachen Dreschflegel (zwei mit einem Band oder einer Kette verbundene Holzstöcke), das Nunchaku* zum Kampf, indem man es um sich herum schleuderte oder als Schlagwaffe den Gegner damit angriff. Die dreispitzige Gabel bzw. Heugabel „Sai“ (über die ursprüngliche Verwendung dieser Waffe gibt es unterschiedliche Auffassungen) wurde ebenfalls zu einer gefürchteten Waffe. Sie wurde zum Blocken von Schwertklingen, als Hieb- und Stichwaffe, oder für Hebeltechniken genutzt. Bo-Jutsu, die Kunst sich mit einem langen Stock zu verteidigen, ist aus der Tradition buddhistischer Mönche übernommen worden, die gelernt hatten, ihren Wanderstock im Notfall sehr wirkungsvoll zu Verteidigungszwecken einzusetzen. Außerdem fand das Tonfa (der Griff zum Drehen eines Mühlsteines) zum Schutz und Angriff gegen Schwerter, sowie das Kama (eine Sichel zum Schneiden von Reispflanzen) weit verbreitete Anwendung. Weitere bekannte Kobudo-Waffen sind: Tekko, Tessen, Jo, Hanbo, Yari, Hoko, Naginata, Tinbe und Surujin (siehe weiter unten).
Kobudo - die unkonventionelle Form der Selbstverteidigung
Die Ausbildung mit (und gegen) Kobudo-Waffen ist Bestandteil des Selbstverteidigungstrainings in der Kampfkunstschule Eisheuer. Daneben werden besondere Trainingseinheiten und regelmäßige Speziallehrgänge ausschließlich für Kobudo angeboten.
Kobudo wird in der Kampfkunstschule Eisheuer vor allem in Hinblick auf unkonventionelle und trotzdem extrem wirksame Selbstverteidigung unterrichtet und geübt. Es bietet mit seinen Alltagswaffen vielfältige und exzellent „verhältnismäßig“ einsetzbare Möglichkeiten. Gerade für ältere Menschen bietet der richtig eingesetzte Spazierstock, der Regenschirm oder sogar ein Kugelschreiber ungeahnte Mittel, sich erfolgreich gegen Übergriffe zur Wehr zu setzen.
Im Training werden die Techniken mit verschiedenen Waffen, z.B. Bo, Hanbo, Sai, Tonfa (Aufzählung und Erklärung der Waffen weiter unen) als Einzelübung und in der Anwendung mit Partner unterrichtet. Hierbei wird in der Kampfkunstschule Eisheuer das übliche Repertoire um einfache, aber hocheffektive Schlag-, Hebel-, Festlege- und Transporttechniken erweitert.
Zweigleisige Ausbildung
Es ist in der Kampfkunstschule Eisheuer selbstverständlich, dass der Unterricht mit diesen Waffen zweigleisig läuft: Es wird sowohl der Umgang mit diesen Gegenständen, als auch die Abwehr gegen Angriffe mit diesen geübt. Wie in den anderen Kampfkunst-Systemen werden auch in diesem Bereich laufend Leistungskontrollen in Form von Gürtelprüfungen durchgeführt.
Das heutige Kobudo dient vielen Kampfsportlern als Sekundärsportart, seine Basis erhält es aus dem Karate. Sie betreiben Kobudo, um ihre „primäre Sportart“ zu ergänzen und abzurunden. Hierbei treten vor allem Selbstverteidigungstechniken des Kobudo in den Vordergrund. Hier kommen vor allem Hanbo, Tessen und Tonfa zum Einsatz. Waffen, die gerade auch bei Polizei, BGS, Wachschutz etc., immer mehr unterrichtet und eingesetzt werden.
Dem „Stil des Hauses“ entsprechend ist auch in diesem Bereich Top-Ausbildung durch Top-Ausbilder gewährleistet. Regelmäßig werden in der Kampfkunstschule Eisheuer Lehrgänge unter Leitung des Bundestrainers Rainer Seibert oder anderer Kobudo-Spezialisten durchgeführt.
Ausgebildete Ausbilder
Auch für unsere Trainer in Bereich des Kobudo ist die regelmäßige Fort- und Weiterbildung unter den weltweit führenden Experten selbstverständlich!
Trainer der Kampfkunstschule Eisheuer zu Gast bei Toshihiro Oshiro (World Chief Instructor des Ryuku Bujutsu Kenkyu Doyukai, 4. v. links) und Rainer Seibert (Bundestrainer Kobudo, 3. v. rechts)
* Der Besitz und der Umgang mit dem Nunchaku ist z.Zt. in Deutschland nicht erlaubt, die Kobudo-Schüler der Kampfkunstschule erlernen den Umgang mit dieser Waffe daher im nahen Ausland (z. B. in Tschechien).
Die Waffen des Kobudo
Wir unterscheiden zwischen „Hauptwaffen“ (es sind die Waffen, die allgemein unterrichtet und geprüft werden) sowie den eher „selteneren Waffen“, deren Kenntnis in speziellen Lehrgängen vermittelt wird.
Wir unterscheiden zwischen „Hauptwaffen“ (es sind die Waffen, die allgemein unterrichtet und geprüft werden) sowie den eher „selteneren Waffen“, deren Kenntnis in speziellen Lehrgängen vermittelt wird.
Hauptwaffen
Der Bo
(japanisch: 棒; „Stock“),
auch Langstock, ist eine Waffe aus Okinawa, die im Kobudo und in manchen Karate-Systemen eingesetzt wird.
Der Bo wurde erstmals von Mönchen eingesetzt, durch die er dann auch nach Japan gelangte. Da den Mönchen war von der Regierung in früheren Zeiten das Tragen von Waffen verboten worden war, sie auf ihren Reisen jedoch oft überfallen wurden, mussten sie eine unauffällige Waffe entwickeln und meistern. Als ideale Waffe, unscheinbar und dennoch wirkungsvoll, erwies sich der Stock. Sie trugen auf ihren Reisen fortan also den Wanderstab, der sich in Kampfsituationen sofort als Waffe verwenden ließ. Noch heute praktizieren die Shaolin die Kampfkunst mit dem Langstock.
Der Hanbo
(japanisch: 半 棒; „Halber Stock“) oder zumindest der Begriff entstand seiner Bezeichnung nach (Han: „halb“, Bo: „ Stock“) gehört mit seiner Länge von 80 - 100 cm (Dicke je nach Handgröße ca. 3 - 4 cm) zu den Kurzwaffen.
Der Hanbo gehörte im 16. Jahrhundert in Japan zu den am weitesten verbreiteten „Volks-Waffen“. Durch seine geringe Größe ist er relativ leicht zu verbergen und kann in schnellen Attacken effektiv im Kampf eingesetzt werden. Neben dem Einsatz als sehr effektive Hieb- und Stickwaffe kann der Hanbo hervorragend auch zum Hebeln oder für Halteaktionen eingesetzt werden.
Der Tonfa
(japanisch:
) ist ein Schlagstock mit einem charakteristischem Quergriff. Seine Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Er wird heute vorwiegend im Bereich der Selbstverteidigung geübt. In Deutschland wird der Tonfa von der Polizei als „Mehrzweckeinsatzstock“ bezeichnet und verwendet.
Der Gebrauch der Tonfa als landwirtschaftliches Arbeitsgerät ist nicht okinawaischen Ursprungs. Ebenso wird allgemein davon ausgegangen, dass die Entwicklung vom Werkzeug zur Waffe nicht auf Okinawa, sondern in China stattfand. Er entstand aus dem abgeschnittenen hinteren Ende einer Sense oder Krücke (es gibt jedoch auch Texte, welche belegen, dass er ehemals eine Kurbel an Mühlsteinen war, welche schließlich zur Waffe umfunktioniert wurde). Als sicher gilt, dass der okinawaische Meister Matsu Higa mindestens einen Tonfa-Stil aus China nach Okinawa brachte, es ist jedoch nicht geklärt, ob dies tatsächlich der Anfang der okinawaischen Tonfa war.
Unklar ist zudem der genaue Zeitpunkt, an dem der Einsatz dieses Werkzeugs als Waffe stattfand. Das Tonfa war traditionell bei zahlreichen Völkern des Asiens in Gebrauch, besonders in China, wo es als „eisernes Lineal“ bekannt war. Quellen behaupten, dass die Tonfa fast ausschließlich in Zentral- und nur teilweise in Nordchina gebraucht wurde. Auf alle Fälle werden in einigen Schulen des Quanfa auch Tonfa-Formen geübt.
Die meisten Berichte gehen davon aus, dass die Verwendung des Tonfa als Waffe von Bauern und dem niederen Adel initiiert wurde. Der Grund für die Entwicklung von Tonfa war, wie bei fast allen Okinawa-Bauernwaffen (Sai, Kama, Nunchaku, usw.) das Verbot des Tragens von Blankwaffen außerhalb der herrschenden Schicht. Allmählich fanden diese sogenannten „Bauernwaffen“ auch Aufnahme in das Übungsprogramm der sogenannten „höheren“ Gesellschaftsschichten.
Heute kennt man Tonfa eher als Schlagstock bzw. Mehrzweckschlagstock der Polizei (polizeiinterne Bezeichnung PEMS: „Polizei Einsatz Mehrzweckschlagstock“) und aus zahlreichen Filmen als Einzelwaffe. Ursprünglich wurde das Tonfa jedoch grundsätzlich paarweise benutzt. Dem Gegner können damit schwere bis tödliche Verletzungen zugefügt werden.
In der Kampfkunstschule Eisheuer werden beide Formen der Tonfa-Anwendungen – Einzel- und Doppelanwendung – geübt.
Das Nunchaku
(japanisch: 双 節 棍; „verbundenes Paar Stöcke“) ist eine im Kaiserreich China entwickelte und auf Okinawa perfektionierte Waffe, die in Verbindung mit Elementen des Karate eingesetzt wird. Bekannt geworden ist es im Westen durch die Filme mit Bruce Lee.
Das Nunchaku besteht aus zwei Holzstäben (Rundhölzer), die mit einer Kette (japanisch: 鎖, kusari) oder mit einer Schnur (japanisch: 紐, himo) verbunden sind. In der Regel haben die Hölzer eine Länge von 30 cm, wobei handgefertigte der Unterarmlänge des Benutzers angepasst werden. Die Schnur oder Kette weist im Normalfall eine Länge von 10 - 15 cm auf.
Es gibt viele Arten des Nunchaku, auch solche mit drei oder vier Holzstäben. Es gibt auch heute noch Veränderungen bzw. Weiterentwicklungen.
Das Nunchaku ist eine gute und sehr effektive Selbstverteidigungswaffe, da sie im Vergleich zu anderen Schlagwaffen (mit Ausnahme von teleskopischen Waffen) relativ klein ist. Die Wirkung beim Aufprall richtet einen erheblichen Schaden an. Zu bedenken ist aber, dass das Nunchaku ohne mehrjähriges Training für den Verteidiger selbst eine erhebliche Gefahr darstellen kann.
In der Bundesrepublik Deutschland sind alle Arten von Nunchaku verboten (gem. Anlage 2, Abschnitt 1, Ziffer 1.3.8 WaffG). Gemäß Feststellungsbescheid des BKA vom 5. Februar 2004 (AZ KT21 / ZV 5-5164.02-Z-23/2004) betrifft dieses Verbot auch die sogenannten „Soft-Nunchaku“ (siehe den Abschnitt Varianten). Durch die eingelegten Rechtsmittel gegen diesen Feststellungsbescheid ergab sich zunächst eine aufschiebende Wirkung, am 24. April 2006 wurde die Klage gegen den Feststellungsbescheid jedoch abgewiesen (AZ 6 E 1621/04). Es gibt jedoch für die Mitglieder der Kampfkunstschule Eisheuer die Möglichkeit, den Gebrauch dieser Waffe - ohne die das Kobudo unvollständig ist - im nahen Ausland zu erlernen.
Das Sai
(japanisch: 釵) ist eine Waffe aus Okinawa, die unter anderem auch im Karate Eingang gefunden hat.
Das Sai ist eine Dreizack-Gabel. Es entwickelte sich aus einem Werkzeug der Fischer, welches dem Dreizack ähnelte, jedoch eine verlängerte Mittelforke besaß. Es diente dem Einholen großer Fische.
Die Mittelzinke ist etwa doppelt so lang wie die beiden äußeren. Die Sai sind je nach Ausführung zwischen 45 cm und 52 cm lang (im besten Fall etwas länger als der Unterarm) und heute meist verchromt oder mattschwarz. Der Schaft kann rund oder oktagonal sein. Das Sai existiert in einer Vielzahl von Varianten.
Sai werden paarweise geführt, wobei verschiedene Grifftechniken Anwendung finden. Neben Block-, Schlag- und Stoßtechniken sind auch Klemmtechniken möglich. So kann z. B. ein Schwert abgefangen und mit einem platzierten Schlag unter Spannung gebrochen werden. Auch Entwaffnungs- und Haltetechniken sind mit Sai möglich.
Die Kama
(japanisch: 鎌; „Sichel“) ist – wie auch andere Waffen des Kobudo – ein umfunktioniertes landwirtschaftliches Arbeitsgerät: Es ist eine Sichel mit nur leicht gekrümmter Klinge, die auf den Ryukyu-Inseln und anderen Ländern Asiens unter anderem zum Schneiden von Reis verwendet wurde. Als Waffe wird die Kama meist paarweise verwendet. Diese Handwaffe gibt es in verschiedenen Größen. Es existiert auch eine Kama-Variante, die an einer mit einer Metallkugel beschwerten Eisenkette befestigt ist, und Kusarigama genannt wird. Des weiteren existiert eine Variante, welche einer Sense ähnelt.
Europäische Parallele: Diese Waffe ist auch aus dem europäischen Mittelalter – als sich die Bauern in den als „Bauernaufstände“ bekannten Revolten gegen ihre adeligen Unterdrücker wandten – bekannt.
Bei Übungswaffen besteht die Klinge meist aus Holz oder Aluminium.
Der Tessen
(japanisch: 鉄 扇; „eiserner Fächer“) gehört im Gegensatz zu den vorgenannten Waffen nicht zu den sogenannten „Bauernwaffen“, es war die geheime Waffe der Samurai.
Während der Fächer gewöhnlicher Weise genutzt wurde, um sich während des feucht-heißen Sommers in Japan Luft zuzufächeln, nutzten die Samurai den Fächer als Geheimwaffe. Wenn ein Samurai das Haus eines anderen Samurai betrat, gebot es die Höflichkeit, dass er sein Katana am Hauseingang ablegte. Um im Falle eines Überraschungsangriffes nicht ganz wehrlos zu sein, wurde der nicht abzulegende Fächer in eine Waffe umfunktioniert. Es gab Tessen, bei denen nur die äußeren oder alle Rippen aus Metall waren. Als Trainingswaffe gab es solide Holz- oder Metallstücke, die einem zusammengefalteten Fächer nachempfunden waren.
Seltenere Waffen
- Eiku, Kai oder Sunakake-bo (Fischerpaddel)
- Marubo, Takebo, Kakubo, Rokakubo, Hakkakubo, Kyushakubo, Bajobo (verschiedene Formate des Bo)
- Sansetsukon dreiteiliger Dreschflegel)
- Nuntebo (Bō mit Saispitze)
- Tinbei (Schild aus Schildkrötenpanzer mit Machete)
- Suruchin (zwei Gewichte mit einer Schnur dazwischen)
- Tekko (Schlagring)
- Tecchu (Schlageisen)
- Rokushakukama (ein Kama befestigt auf einem langen Stock, Sense)
- Manjisai (auch Nuntesai) (Variante des Sai)
- Kue (Harke)
- Tuja (Dreizack)